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Produktion 2020: ICH, DEIN GROßER ANALOGER BRUDER, SEIN VERFICKTER KATER UND DU von Felicia Zeller

Aufführungsrechte: Verlag Felix Bloch Erben, Berlin | www.felix-bloch-erben.de

„Was denken sie was in diesem Land los wäre,wenn mehr Menschen wüssten was in diesem Land los ist!“

(Volker Pispers)

„Man redet nicht schlecht über Katzen, das bringt Unglück“

(alte WG-Weisheit)

 

Es begab sich zu einer längst vergangenen Zeit, als das World Wide Web noch nicht erfunden war: Eine Journalisten-WG in einer beliebigen deutschen Stadt diskutiert ebenso analog wie ausgiebig; und zwar über Alec, den Bruder von… - ja von wem eigentlich?

Wie Alec in die Wohnung kam und warum er zu allem Überfluss auch noch diesen dicken Kater mitgebracht hat, weiß niemand so genau. Da er aber ein umgänglicher Typ ist, streiten die vier einfach unermüdlich weiter über Putzpläne, Zeitschriften-Abos und vergammelnde Avocados, während der Neue ihre Gewohnheiten akribisch studiert. Die ungewohnte Aufmerksamkeit, die den Beobachteten dabei zuteil wird, wirkt mal irritierend, mal schmeichelhaft und mit den neuen Bestimmungen im Mietvertrag, den niemand wirklich gelesen hat, führt Alec endgültig neue Spielregeln ein: Fleißig sammeln die Bewohner fortan Gemeinschaftspunkte für das Füttern des verfetteten Katers und geben bereitwillig Auskunft darüber, wann sie welche Zahnpasta verwenden. Ihre Unbekümmertheit, die auf der Annahme beruht, nix zu verbergen zu haben, kommt uns heute erschreckend bekannt vor, ist aber auch damals schon ein Luxus, den sich nur leisten kann, wer zufällig in einer stabilen Demokratie lebt. Da die vier Bewohner nicht merken, dass ihre Privatsphäre so fragil ist, wie ihre teuer erstandene Lavalampe, steht am Ende sehr viel mehr auf dem Spiel als nur der WG-Frieden.

Felicia Zeller projiziert in Ich, dein großer analoger Bruder, sein verfickter Kater und du die abstrakte Big Data Thematik in eine reale Wohngemeinschaft. Die Inszenierung des spiel-betrieb verlagert sie einen Schritt weiter, in eine vor-digitale Vergangenheit und geht damit der Frage nach, ob die subtilen Verführungsmechanismen, die wir heute kennen, auch in einer Zeit gegriffen hätten, in der man noch gegen Volkszählungen auf die Straße ging. Was als unterhaltsamer Einblick in das Innenleben einer Wohngemeinschaft beginnt, entwickelt seine hintergründige Komik in dem uns wohl bekannten Dilemma zwischen Konsumgenuss und Alltagsspionage.

Felicia Zeller (geboren in Stuttgart) schreibt Theatertexte, Hörspiele und Prosa und arbeitet als Medienkünstlerin. Sie studierte an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg und war 1999/2000 Hausautorin am Theater Rampe in Stuttgart. 2008 gewann sie mit Kaspar Häuser Meer den Publikumspreis der Mülheimer Theatertage, 2013 wird X-Freunde in der Kritikerumfrage von Theater heute zum besten deutschsprachigen Stück gewählt. Im Februar 2020 erhält sie den Else-Lasker-Schüler-Dramatikerpreis.